Langeweile beflügelt die Kreativität
Notizen zur Kunst von Katrin Hoerner
Edgar Degas, Die Büglerin (Public domain, via Wikimedia Commons)
Der folgende Beitrag ist entstanden, weil mir langweilig war. Eigentlich wollte ich nämlich über ein ganz anderes Thema in meinen monatlichen Notizen zur Kunst schreiben. Ich überlegte, sammelte Fakten. Doch meine Recherche kam nicht richtig voran.
Am Abend bügelte ich Wäsche, was so ziemlich die langweiligste Tätigkeit ist, die ich mir vorstellen kann. Während meine Hände mechanisch arbeiteten, schweiften meine Gedanken ab. Und da fiel mir auf: Gute Einfälle habe ich oft dann, wenn ich nicht gezielt nachdenke, etwa beim Schwimmen oder Wandern oder Unkrautjäten.
Das Gehirn wird im Leerlauf produktiv
Das Gehirn arbeitet dabei weiter, auch wenn ich an nichts Bestimmtes denke. Die Kreativitätsforschung bezeichnet diesen Zustand als Inkubationsphase: Nachdem wir Informationen gesammelt und uns intensiv mit einer Fragestellung beschäftigt haben, entstehen neue Ideen gerade dann, wenn wir aus dem Fenster schauen, im Garten sitzen oder eine monotone Tätigkeit ausführen.
Viele berühmte Kreative haben Leerlaufzeiten bewusst gesucht: Agatha Christie entwickelte ihre Krimiplots beim Geschirrspülen, Virginia Woolfe unternahm lange Spaziergänge und Haruki Murakami absolviert Langstreckenläufe.
In so einer Auszeit ohne ständige Reize, ohne konkrete Zielvorgabe und ohne unmittelbaren Leistungsdruck entstehen neuen Ideen wie von selbst. Dabei wirken zwei Phasen zusammen: Zuerst beschäftigen wir uns intensiv mit einem Thema, dann lassen wir los, nehmen Abstand davon und lassen das Unbewusste arbeiten.
Langeweile hat einen schlechten Ruf
Solchen Leerlauf im Alltag zu finden, ist heute allerdings unüblich geworden. Kaum jemand sitzt an der Bushaltestelle und macht einfach mal nichts. Die meisten füllen jede freie Minuten mit dem Smartphone, Podcasts oder Social Media. Dadurch verschwinden diese kleinen Leerstellen, in denen Gedanken frei umherschweifen können.
Zudem hat Langeweile einen schlechten Ruf, weil sie sich oft unangenehm anfühlt. Dabei kann sie bewirken, dass das Gehirn nach neuen Anregungen, Verbindungen oder Bedeutungen sucht. Dann beginnt der Geist zu wandern, wodurch neue Assoziationen und Ideen aufkommen.
Ein unterfordertes Gehirn schafft später umso aktiver
Eine englische Studie zeigte beispielsweise, dass Menschen nach einer langweiligen Tätigkeit in Kreativitätsaufgaben originellere Ideen entwickelten als andere in Vergleichsgruppen. Die Erklärung lautet vereinfacht: Das Gehirn kompensiert die Unterforderung, indem es später aktiver wird.
Für mich hat der Bügelabend jedenfalls mal wieder bewiesen: Wenn ich auf der rationalen Ebene nicht weiterkomme, dann hilft mir eine langweilige Beschäftigung, damit das Unbewusste seine Arbeit tun kann.
Natürlich ist Langweile nicht die einzige Möglichkeit, die eigene Kreativiät zu beflügeln: In den Kunst- und Schreibkursen an der Kunstakademie EigenArt vermitteln unsere DozentInnen noch viele andere Strategien, um ins kreative Arbeiten zu kommen. Sehen Sie sich doch mal wieder das Kursprogramm 2026 der Sommerakademie an...
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Am Abend bügelte ich Wäsche, was so ziemlich die langweiligste Tätigkeit ist, die ich mir vorstellen kann. Während meine Hände mechanisch arbeiteten, schweiften meine Gedanken ab. Und da fiel mir auf: Gute Einfälle habe ich oft dann, wenn ich nicht gezielt nachdenke, etwa beim Schwimmen oder Wandern oder Unkrautjäten.
Das Gehirn wird im Leerlauf produktiv
Das Gehirn arbeitet dabei weiter, auch wenn ich an nichts Bestimmtes denke. Die Kreativitätsforschung bezeichnet diesen Zustand als Inkubationsphase: Nachdem wir Informationen gesammelt und uns intensiv mit einer Fragestellung beschäftigt haben, entstehen neue Ideen gerade dann, wenn wir aus dem Fenster schauen, im Garten sitzen oder eine monotone Tätigkeit ausführen.
Viele berühmte Kreative haben Leerlaufzeiten bewusst gesucht: Agatha Christie entwickelte ihre Krimiplots beim Geschirrspülen, Virginia Woolfe unternahm lange Spaziergänge und Haruki Murakami absolviert Langstreckenläufe.
In so einer Auszeit ohne ständige Reize, ohne konkrete Zielvorgabe und ohne unmittelbaren Leistungsdruck entstehen neuen Ideen wie von selbst. Dabei wirken zwei Phasen zusammen: Zuerst beschäftigen wir uns intensiv mit einem Thema, dann lassen wir los, nehmen Abstand davon und lassen das Unbewusste arbeiten.
Langeweile hat einen schlechten Ruf
Solchen Leerlauf im Alltag zu finden, ist heute allerdings unüblich geworden. Kaum jemand sitzt an der Bushaltestelle und macht einfach mal nichts. Die meisten füllen jede freie Minuten mit dem Smartphone, Podcasts oder Social Media. Dadurch verschwinden diese kleinen Leerstellen, in denen Gedanken frei umherschweifen können.
Zudem hat Langeweile einen schlechten Ruf, weil sie sich oft unangenehm anfühlt. Dabei kann sie bewirken, dass das Gehirn nach neuen Anregungen, Verbindungen oder Bedeutungen sucht. Dann beginnt der Geist zu wandern, wodurch neue Assoziationen und Ideen aufkommen.
Ein unterfordertes Gehirn schafft später umso aktiver
Eine englische Studie zeigte beispielsweise, dass Menschen nach einer langweiligen Tätigkeit in Kreativitätsaufgaben originellere Ideen entwickelten als andere in Vergleichsgruppen. Die Erklärung lautet vereinfacht: Das Gehirn kompensiert die Unterforderung, indem es später aktiver wird.
Für mich hat der Bügelabend jedenfalls mal wieder bewiesen: Wenn ich auf der rationalen Ebene nicht weiterkomme, dann hilft mir eine langweilige Beschäftigung, damit das Unbewusste seine Arbeit tun kann.
Natürlich ist Langweile nicht die einzige Möglichkeit, die eigene Kreativiät zu beflügeln: In den Kunst- und Schreibkursen an der Kunstakademie EigenArt vermitteln unsere DozentInnen noch viele andere Strategien, um ins kreative Arbeiten zu kommen. Sehen Sie sich doch mal wieder das Kursprogramm 2026 der Sommerakademie an...
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Künstlerisches Profil von Katrin Hoerner
Katrin Hoerner M.A. (Studium der Kunstgeschichte, Neuere Literaturgeschichte und Kommunikationswissenschaft) verbindet über 30 Jahre Erfahrung als Journalistin mit einer fundierten Ausbildung im kreativen und therapeutischen Schreiben. Seit 2011 leitet sie die Kunstakademie EigenArt in Bad Heilbrunn und ist seit 2024 auch als Dozentin dort tätig. In ihren Kursen – etwa „Intuitiv Schreiben“, „Autobiografisch schreiben“ oder „Achtsam schreiben“ – vermittelt sie, wie wir unserer inneren Stimme folgen und mit allen Sinnen aus dem Moment heraus schreiben. Es entstehen Texte, die wahrhaftig, lebendig und oft überraschend sind. |
Kurse 2026 mit Katrin Hoerner
Autobiografisch schreiben – | 13. Mai 2026 |
Vom Wort zum Bild – Haiku dichten und gestalten | 01./02. August 2026 |
Intuitiv schreiben – Entdecke deine Schreibstimme | 12. bis 13. September 2026
Kalligrafie - Haiku dichten, schreiben, illustrieren | 08. bis 11. Oktober 2026 |
Achtsam schreiben | 29. November 2026 |
Vom Wort zum Bild – Haiku dichten und gestalten | 01./02. August 2026 |
Intuitiv schreiben – Entdecke deine Schreibstimme | 12. bis 13. September 2026
Kalligrafie - Haiku dichten, schreiben, illustrieren | 08. bis 11. Oktober 2026 |
Achtsam schreiben | 29. November 2026 |